Bergmann Brauerei

11 Dez, 2010

Wir sind Dortmunder und unsere beliebte Stadt ist die inoffiziele Bierhauptstadt Deutschlands.

Es wird also höchste Zeit, dass sich ein-Dortmund.de mit dem Thema Bier beschäftigt.

Wir hatten überlegt, ob wir mehrere Biersorten in Eigenregie testen, oder ob wir das Thema erstmal seriös unter die Lupe nehmen. Wir haben uns vorerst für die zweite Variante entschieden und haben aus diesem Grund die Bergmann-Brauerei etwas näher betrachtet.

ein-Dortmund.de traf Dr. Thomas Rudolph, den Geschäftsführer der Bergmann-Brauerei zu einem äußerst interessanten Interview.

eD: Bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor! Sagen Sie uns bitte wie Sie zu dem Projekt Bergmann-Brauerei gekommen sind!
Dr. Thomas Raphael: “Mein Name ist Thomas Raphael. Ich wurde 1958 in Dortmund geboren. Als gelernter Mikrobiologe bin ich seit 16 Jahren in der Lebensmittelbranche tätig.”

eD: Sagen Sie uns bitte wie Sie zu dem Projekt Bergmann-Brauerei gekommen sind!
Dr. Thomas Raphael: “In meinen Küchenschrank steht seit mehr als 35 Jahren ein schöner, gläserner Bierkrug der alten Dortmunder Bergmann Brauerei. Er stammt von einem Flohmarkt. Ganz dunkel kann ich mich erinnern, dass es in meiner Kindheit viele Brauereien in Dortmund gab: Neben Union, Actien, Ritter, Thier, Kronen, Stifts und Hansa auch die Bergmann-Brauerei. Dortmund war damals hinter Milwaukee die zweitgrößte Bierstadt der Welt. Das schöne Logo der Bergmann Brauerei auf dem Bierkrug hat sich im Laufe der Jahre in mein Gedächtnis eingebrannt. Im Sommer 2005 bin ich per Zufall – ich recherchierte etwas ganz anderes – auf die Markenrechte für das Bergmann Bier gestoßen. Diese lagen seit 1972 bei der Dortmunder Union-Ritter Brauerei und waren einige Monate zuvor aufgegeben worden. Ich habe daher einen Patentanwalt beauftragt, die Markenrechte zu sichern. Einige Stunden der Muße im Sommer 2006 brachten mich dann zu dem folgerichtigen Wunsch, diese alte Biermarke wiederzubeleben und ein Bergmann Bier nach alter Tradition zu brauen!

eD: Erzählen Sie unseren Lesern doch ein wenig über Ihre Anfänge in der Brauerei Hagen!
Dr. Thomas Raphael: “Eine eigene Brauerei zu planen, wäre am Anfang dieser Geschichte sicher verrückt gewesen. Also mußte ich versuchen, jemand zu finden, der mir ein “altes” Bier braut. Da es in Dortmund nur noch eine große Brauerei gab und diese in der Hand eines Konzerns ist, hielt ich Kontakte in diese Richtung für wenig Erfolg versprechend. Also habe ich nach einer kleinen Brauerei gesucht, die von der Größe und ihren Qualitätsansprüchen her zu diesem Projekt passen könnte. Als kleinen Familienbetrieb kannte ich, ebenfalls seit Jahrzehnten, die Vormann Brauerei in Hagen-Dahl. Herr Vormann war damals so nett, mir ein Export-Bier im Stil der ehemaligen Bergmann Brauerei zu brauen. Bei den ersten Suden habe ich damals mitgebraut und dabei viel gelernt. Aufstehen um 5 Uhr, im Dunkeln morgens maischen, läutern, Würze kochen und auf einem Kühlschiff die Würze kühlen …. einen Satz Bilder aus dieser Zeit habe ich beigelegt.”

eD: Die Fan-Gemeinde der Bergmann-Brauerei wächst ständig – was für Ziele haben Sie in diese Richtung noch?
Dr. Thomas Raphael: “Wir wollen 1% der Dortmunder Biertrinker erreichen und zwar die, die gutes Bier zu schätzen wissen und bewußt Bier trinken. Wir meinen, es sollte lieber mal eins weniger sein, dafür ein besseres Bier. Im Moment erreichen wir erst ca. 0,4 % und müssen daher, bis wir eine stabile Größe erreicht haben, noch 1 bis 2 Jahre moderat weiter wachsen. Wir wollen weiterhin nur in Dortmund und den Vorstädten Bier verkaufen, nicht darüber hinaus. Wenn 1% des in Dortmund getrunkenen Bieres Bergmann Bier ist, haben wir unser Ziel erreicht und werden uns erst mal zurücklehnen.

Ja, und wenn wir dann mal wieder Langeweile haben, kaufen wir die Actien-Brauerei nach Dortmund zurück und die dort verbliebenen Biermarken vom Oetker-Konzern auf und machen für jede verbliebene alte Marke eine neue kleine Brauerei auf  ;-)

eD: Wie wichtig ist für Ihre Brauerei die Stadt Dortmund?
Dr. Thomas Raphael: “Sehr wichtig! Ich bin in der zweitgrößten Bierstadt der Welt geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen. In den letzten 35 Jahren ist dann ein Großteil der Brauereien und auch der Bierkultur verschwunden. Anders als beim Stahl ist das nicht strukturbedingt so gekommen. Die Sauerländer Braueren sind in diesem Zeitraum gewachsen. Ich möchte, dass Dortmund wieder ein bißchen Bierstadt wird.

Oder, falls Sie die Stadt Dortmund als Kommune meinen: Die Stadt Dortmund hat uns bisher nach Kräften unterstützt und wir hoffen, dass das so bleibt!”

eD: Erzählen Sie uns bitte etwas über den Bergmann Kiosk!
Dr. Thomas Raphael: “Da es unsere finanziellen Möglichkeiten nicht erlaubten, eine Brauerei innenstadtnah zu errichten, brauchten wir eine andere Möglichkeit, um uns den Dortmundern zu präsentieren. Der alte Kiosk am Hohen Wall 36 stand viele Jahre lang leer. Die 50er Jahre Architektur gefiel mir schon immer und ich fand es schon lange schade, dass mit dem Kiosk nichts passierte. Ein Kiosk paßt zudem genau wie Bier ins Ruhrgebiet. Wir haben den Kiosk dann bekommen, mit ganz viel Aufwand restauriert und sind nun ein bißchen stolz, dass wir neben einer alten Biermarke auch noch ein altes Ruhrgebietsdenkmal als Verkaufsstelle haben!”

eD: Gibt es Projekte in naher Zukunft, die Sie den Lesern von ein-Dortmund.de schon verraten möchten, bzw. wollen?
Dr. Thomas Raphael: “Wir sind gerade dabei, ein altes obergäriges Dortmunder Bier wiederzubeleben, dass Adambier. Es wurde vom Mittelalter bis ca. 1960 in verschiedenen Dortmunder Brauereien gebraut und ist in seiner Geschichte vergleichbar mit dem Altbier am Niederrhein. Im Moment heißt es noch Adam junior, weil das Rezept noch nicht fertig ist, bzw. es noch dunkler und stärker werden muss und wir noch nicht genug Lager- und Kühlkapazität haben. Es gibt daher nur von Zeit zu Zeit kleine Mengen vom Fass. Adambier wird es dann im nächsten Jahr regelmäig vom Fass geben, aber wahrscheinlich erst später im Jahr in Flaschen. Gerne würden wir auch mal eine eigene Kneipe betreiben, haben aber noch kein konkretes Projekt vor Augen.”

ein-Dortmund.de bedankt sich bei Herrn Dr. Thomas Raphael für das Interview und wünscht allen Lesern einen guten Durst beim leckeren Bergmann-Bier!

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